Shaluna, die Mondkatze

 

Leseprobe

........der Regenbogen schillerte in rot, orange, gelb, grün, blau und lila.

„Schau nur, Shaluna. Was ist das?“ Anja deutete mit dem Finger zu einem kristallklaren Berg. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

„Ja, Anja, das will ich dir gerne glauben. Komm, wir schauen uns das an.“ Shaluna reichte dem Kind wieder ihre Pfote, und die Beiden schwebten zum blauen Plateau. Auf einer Wolkenwiese erhob sich ein riesiger Berg aus tausenden von Kristalltropfen. Sie schillerten im Licht des Regenbogens wie pure Diamanten.

„Wie schön“, flüsterte Anja.

„Es sind die Tränen der Engel“, sagte Shaluna.

„Können Engel überhaupt weinen?“ Anja berührte einen Tropfen und wunderte sich, dass er hart wie Kristall war.

„Natürlich können sie weinen. Jeder Mensch hat einen Schutzengel, auch du, kleine Mickymaus.“

„Aber ich will doch nicht, dass mein Schutzengel traurig ist und weinen muss...“

„Das weiß ich, aber glaub mir, du hast es in der Hand, ob dein Schutzengel glücklich oder traurig ist. Ein Schutzengel ist dazu da, aufzupassen, dass es den Menschen gut geht. Wenn er aber sieht, dass sein Mensch böse Gedanken in sich trägt oder böse Dinge tut, dann wird er traurig und muss weinen.“

„Ich mache niemals etwas Böses.“

„Aber du gibst deiner Mutter sicher manchmal Widerworte.“

„Ja, manchmal“, sagte Anja kleinlaut.

„Siehst du, dann muss dein Schutzengel weinen.“

„Das wollte ich nicht“, sagte Anja.

„Gut, dann hätten wir auch das geklärt“, sagte Shaluna. „Du wirst in Zukunft besser auf dich aufpassen, versprochen“

„Versprochen!“

Plötzlich zeigte Anja zum anderen Ende des Regenbogens, wo die bunten Farben sich in ein sattes Grün auflösten. „Was ist dort am anderen Ende des Regenbogens?“ fragte sie. „Lass uns dorthin gehen, bitte...“

„Nein, das sollten wir nicht“, sagte Shaluna energisch. „Dort haben wir nichts verloren. Es ist ein Land mit Bergen und Tälern, mit saftigem grünen Gras und einem Meer von Blumen, und es gehört allein den Tieren.“

Als Anja sie fragend anschaute, fuhr Shaluna fort: „Eigentlich hast du noch nicht das Alter, um solche Dinge zu begreifen, doch ich will versuchen, es zu erklären......